Mittwoch, 9. August 2017

Ich bin nicht nachtragend - die grosse Lüge


Wie so oft ist die Idee zu diesem Blogpost durch ein Gespräch mit meinem Göttergatte entstanden.

Wir sprachen über etwas was passiert war und wie ich danach reagiert hatte.

Aus meinem Mund kam dann der bekannte Satz: "...egal...ich bin nicht nachtragend!".

Mein Mann (der mich schon über 20 Jahre kennt) meinte dann nur: "Doch! Das bist Du!".

Ich blickte tief in mir ein und fand dieses unangenehme Gefühl. Ja! Da war es!


Es stimmt...ich bin nachtragend. Da gibt es keine Zweifel.

Ich gehöre definitiv nicht zur Gattung "Elefanten" (ob das wohl stimmt, dass die nichts vergessen?), aber ich bewege mich in einem guten Mittelfeld was dieses Gefühl betrifft.

Mein Vater ist das totale Gegenteil. Er ist wohl der einzige Mensch in der Welt den ich kenne den ich noch NIE als nachtragend erlebt habe. Auf italienisch gibt es ein Sprichwort: "sbagliare e' umano, perseverare e' diabolico".

SICH ZU IRREN IST MENSCHLICH - AUF ETWAS BEHARREN IST TEUFLISCH

Wie so oft hat mein Vater recht. Wenn man nachtragend ist, hat man ein Problem nicht abgeschlossen. Man trägt dieses Gefühl in sich und es frisst sich durch die Seele. Manchmal über Jahre.

Das tut uns nicht gut.

Noch schlimmer...ganz oft weiss die betroffene Person gar nichts davon, kann sich nicht erklären und wehren und ist unserem negativem Gefühl hilflos ausgesetzt. Vielleicht verdient diese Person das, aber verdienen wir es?

Verdiene ich es mich über längere Zeit mit dieser nichtsbringende Negativität zu leben? Diese Person hat mir ja schon mal weh getan...wieso gebe ich ihr die Macht mir weiter weh zu tun?

Dazu kommt, dass ich nicht dafür bekannt bin auf meiner Klappe zu sitzen. Ich sage meistens was ich denke und das direkt in's Gesicht!

Mein Schwachpunkt: wenn ich jemand sehr mag, dann halte ich mich zurück. Kassiere manchmal ein, ärgere mich darüber, schmiede Pläne wie ich das "zurückgeben" kann, empfinde mich als böse, fühle mich schlecht dabei, frage mich wieso diese Person mir das angetan hat, versuche zu verzeihen, schaffe es nicht, ärgere mich noch mehr über mich....

Eine Endlos-Schleife der negativen Gefühle.

So richtige eine Lösung dazu habe ich nicht. Du vielleicht?

Ganz anders bei den Personen die mir gleichgültig sind. Da mussten schon paar merken, dass sie entweder an meiner Gleichgültigkeit abgeprallt sind oder das sie direkt, knallhart und verbal "eis uf d'Bire übercho händ" (D: ein's auf die Birne).

Dann gibt es natürlich die Gegenseite. Wenn jemand nachtragend gegenüber mir ist. Hier pflege ich die Person direkt darauf anzusprechen. Leider sind dann die meisten nicht so ehrlich und rücken mit der Wahrheit raus. Viele wollen das Problem gar nicht bereinigen, andere brauchen einfach mehr Zeit dafür.

Ich empfinde es als sehr befreiend, wenn mir jemand erlaubt mich zu entschuldigen und bin dieser Person sehr dankbar. Es liegt dann an mir, dass wieder gut zu machen und der "Geschädigte" darf diesen Seelenstein abwerfen.

KEIN PARDON gibt es aber beim Thema Familie und hilfsbedürftige Personen. Hier bin ich nicht nachtragend, sondern mutiere zum Monster. Da gibt es keine Entschuldigung die mich wieder friedlich stimmen kann und die Person wird VOLLKOMMEN aus meinem Leben gestrichen oder mit Anstand toleriert/ignoriert. Für immer.

So meine Liebe...wie geht es Dir bei diesem Gefühl? Wie gehst Du damit um? Was ist Dein "Kein Pardon"-Thema?

Deine
Cinzia