Freitag, 2. Oktober 2015

Italien mal anders



Hallo!

Wie meine Follower von Instagram schon wissen, bin ich zurzeit in den Ferien.

Ganz alleine bin ich den Flieger eingestiegen...Richtung Sueden, Richtung Familie.

Eine kleine Auszeit nur fuer mich.

Meine Eltern leben in Sueditalien und das schon seit fast 15 Jahren. Nach fast 40 Jahren in der Schweiz haben sie beschlossen, ihre dritte Lebenshaelfte in der Heimat zu verbringen.

Das bedeutet natuerlich, dass man sich selten sieht. 1100 Kilometer sind nicht wenig und so kommt es manchmal vor, dass wir uns nur 1-2 Mal im Jahr sehen.

Nun bin ich also hier....weit weg von Zuhause (ja...mein Zuhause ist die Schweiz, da ich in der Schweiz geboren bin und natuerlich seit immer lebe) und alles laeuft ein wenig anders.

Ich bin schon oefters in meiner Heimatstadt gewesen und ich gebe es offen zu...sie ist mir fremd. Irgendwie kann ich mich immer weniger damit identifizieren. Meine italienischen Wurzeln schwaecheln gerade hier am meisten. Waehrend ich in der Schweiz mein Gleichgewicht zwischen den beiden Kulturen die in mir leben gefunden habe.

Sobald ich in Italien bin (und nicht an einem bekannten Ferienort, sondern "Zuhause" bei bei meinen Eltern) ist dieses Gleichgewicht gestoert.

Ich moechte am liebsten nur positives erzaehlen, aber wenn man die liebe zu meiner grossen, italienischen Familie aussen vor laesst, bleiben nur noch ganz wenige Dinge die mir hier gefallen.

Klar...das Essen, die Architektur, die Geschichte die man in der Altstadt tief einatmen kann, die lockere und einfache Art der Italiener.

Nur ist Italien nicht nur Geschichte und Pasta, nicht nur Espresso und Kultur.

Italien ist ein Land das seit mehreren Jahren eine grosse wirtschaftliche Krise durchlebt und das sieht und spuehrt man ueberall.

Was frueher sauber und wunderschoen war, ist jetzt oft vernachlaessigt und schmutzig. Viele Laeden sind geschlossen, die Leute sind unzufrieden.

Was soll ich sagen? Ich fuehle mich fremd und manchmal wie eine Ausserirdische.

Die meisten von Euch kennen Italien von den Ferien und die meisten finden es auch wunderschoen, aber Italien ist nicht nur Rom und Venedig oder Mailand und die Amalfikueste.

Italien ist vor allem viel Provinz. Kleine Staedte wie die in der meine Eltern wohnen (ca. 65'000 Einwohner), wo es eine unmenge an Sehenswuerdigkeiten gibt die niemand kennt. Wie auch? Im Prinzip gibt es das fast ueberall in Italien und nicht alles hat so eine Resonanz wie das Kolosseum oder den Ponte Vecchio in Florenz.

Fuer mich ist es natuerlich anders, den ich habe eine grosse Familie hier die mich verwoehnt und lieb hat.

Einmal mehr merke ich, wie gut ich es in der Schweiz habe. Hier in Italien fehlt es mir an nichts, aber ich wuerde hier nicht leben wollen. Niemals.

Ich danke oft meinen Eltern fuer das Glueck das ich habe. Den nur dank meinen Eltern und die Tatsache, dass sie Ende der 60er-Jahre in die Schweiz ausgewandert sind, lebe ich jetzt in der Schweiz und bin inzwischen (auch) Schweizer Buergerin.

Ich geniesse jetzt weiter meine Italien-Ferien und meine Familie...und wenn ich Mitte Monat wieder nach Hause komm, dann bin ich gluecklich.

Habe noch nie verstanden, wie manche Leute sagen koennen, dass sie NIE MEHR aus den Ferien nach Hause kommen wollen. Wie schrecklich muss das Zuhause/Leben sein, dass man nicht nach Hause kommen will?

Sodele...ich trinke jetzt "un caffe'" und sage "a presto und arrivederci".

Deine
Flyinghousewive

P.S.
Hast Du auch einen Emigrationshintergrund? Wie stehst Du zu diesem Thema?